Show donʼt tell!

Pantomime

Ein Fehler, der vielen Autoren unterläuft, ist, dass sie von Situationen oder Gefühlen schreiben, statt sie zu zeigen. Dabei ist es gar nicht so schwer, wenn man erst einmal verstanden hat worauf es ankommt.

Hier ein Beispiel für den erzählenden Schreibstil:

„Max war traurig. Benno war nach der Schule gemein zu ihm gewesen. Er hatte niemanden, mit dem er darüber reden konnte.“

So klingt der gleiche Text, wenn man die Gefühle und Situationen zeigt:

„Heiße Tränen liefen Max übers Gesicht. Nach der Schule hatte Benno ihm in den Bauch geboxt und ihm seine Fußballsticker weggenommen. Als er nach Hause kam, war das Haus ganz ruhig und leer. Oma hatte wohl vergessen, dass sie heute auf ihn hätte aufpassen sollen.“

Klingt doch gleich viel interessanter, oder? Das Bild der kullernden Tränen regt die Phantasie des Leser dazu an, sich den weinenden Max vorzustellen. Dabei wird dann auch automatisch das Gefühl der Traurigkeit assoziiert. Nennt man das Gefühl direkt, wird dies vom Leser als sachliche Information wahrgenommen. Die Phantasie wird dadurch jedoch nicht angeregt.

Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Satz. Hier wird die Bewertung der Situation durch den Erzähler vorgenommen. Besser ist es die Situation zu schildern und die Bewertung dem Leser zu überlassen.

Der letzte Satz hingegen lässt den Leser zu stark im Unklaren. Warum hatte Max niemanden zum Reden? Hat er keine Familie oder ist sein Verhältnis zu seiner Familie gestört? An dieser Stelle ist es geschickter, den genauen Hintergrund für die Situation zu schildern. Max ist nämlich kein Waisenkind: es ist nur ausnahmsweise keiner da, als er heimkommt.

Besonders gravierend ist diese Art von Fehler in Verlagsanschreiben und Exposés. Denn wirklich jeder Autor behauptet von seiner Geschichte, dass sie spannend, unterhaltsam oder pädagogisch wertvoll sei. Überzeugender ist ein Exposé, das spannend oder unterhaltsam geschrieben ist.